Das Jahr 2012
Sehen wir den Tatsachen ins Auge:
Zwischen Euroland und dem anglo-amerikanischen Finanzsystem ist ein Krieg ausgebrochen.
Weltweit stehen nicht mehr genug Sparvermögen zur Verfügung, um die Defizite der westlichen Staaten zu finanzieren. Das bestätigte die OECD im Dezember 2011:
Hans Blommestein, Leiter der Verwaltung der öffentlichen Schulden bei der OECD, sagte, das Marktgeschehen heutzutage führe zu Situationen, in denen geradezu „tierische Verhaltensweisen“ dominieren und die Marktdynamik widerzuspiegeln scheinen. Diese abnormalen Verhaltensweisen trieben die Sollzinssätze vor sich her, die von Staaten zu zahlen sind - mit schwerwiegenden Folgen für die Staatsschulden.
Für die absehbare Zukunft wird es eine "große Herausforderung" für eine breite Palette von OECD-Ländern, große Kreditsummen in den privaten Märkten überhaupt noch zu bekommen.
„Rollover Risiken“, also die Gefahr für ein Land nicht in der Lage zu sein, seine Altschulden bei Fälligkeit in Neuschulden umwandeln zu können, zwingen diese, sich an die Europäische Zentralbank zu wenden oder auf der anderen Seite des Atlantiks Tricks mit der FED und dem dubiosen US-amerikanischen Bankengemisch zu verabreden, will man einen Zahlungsausfall (Staatsbankrott) vermeiden.
Laut OECD betrug das Brutto-Kreditaufnahme-Bedürfniss der OECD-Regierungen im Jahr 2011 $ 10.400 Milliarden (in Worten: zehntausendvierhundert Milliarden) - korrekt heisst das 10,4 Billionen, nur versteht das niemand - und wird bis zu $ 10.500 Milliarden im Jahr 2012 anwachsen. Das ist ein Anstieg von $ 1.000 Milliarden gegenüber 2007 und fast doppelt so viel wie im Jahr 2005. Diese kaum fassbaren Zahlen unterstreichen die Risiken für die meisten hoch entwickelten Volkswirtschaften, die in vielen Fällen kurz davor stehen, aus dem privaten Markt herauskatapultiert zu werden.
Das wiederum erklärt, weshalb die USA und ihr Pudel Großbritannien in ihren Versuchen, an das verbleibende Kapital zu kommen, immer aggressivere Methoden anwenden. Euroland, das nach objektiven Kriterien für Investoren eigentlich deutlich attraktiver sein müsste als die USA, ist dabei der Wettbewerber, der aus dem Weg geräumt werden soll.
Eine Waffe, die das anglo-amerikanische Finanzsytem einsetzt, sind die drei grossen Rating Agenturen „Fitch“, Moody´s“ und „Standard & Poor´s“. Wie ein gekaufter Schiedsrichter im Fussball, der stets Spielern einer einzige Mannschaft rote Karten zeigt und fragwürdige Elfmeter gegen sie verhängt, kommt es einseitig gegen Staaten der Eurozone zu angedrohten oder durchgeführten Abwertungen wie selbst gegen Einrichtungen der Eurozone (EFSF). Gegen die kaputten USA hat es allein „Standard & Poor's“ im August 2011 gewagt, ein zaghaftes Downgrading durchzuführen; die anderen beiden Agenturen zieren sich wie die Zicke am Strick.
Auch hat Nicolas Sarkozy Recht, wenn er fragt, warum gegenüber Grossbritannien noch keine Abstufung erfolgt ist. Am 20. Dezember 2011 deutete „Moody´s“ - zaghaft - eine Prüfung der britischen Bestnote an.
Die britischen Steuerzahler, deren Regierung 2008 die nationalen Banken mit 1800 Milliarden Pfund (!) vor dem Konkurs rettete, waren weltweit diejenigen, die nach der Lehman-Pleite den höchsten Preis für die Rettung der Finanzindustrie bezahlen mussten. Die britische Regierung hat die Unverfrorenheit, diese Zahlungen als „Investition“ zu deklarieren, statt als „Schulden“. Auf den Gewinn aus dieser „Investition“ wird man lange warten müssen. Sowohl die öffentlichen wie die privaten Schulden sind erheblich. Das Staatsdefizit liegt bei 10,4%, damit nur knapp weniger als das Griechenlands. Die private Verschuldung beträgt 155% des BIP. Die britischen Immobilieninvestoren werden 2012 nicht mehr in der Lage sein, 156 Milliarden USD Kredite zu refinanzieren. Die Inflationsrate liegt - sogar offiziell - um die 5% und zu exportieren hat man nichts ausser ein paar befähigten Konstrukteuren des Formel 1 Rennsports, was das Aussenhandelsdefizit aber leider kaum beeinflusst. Die Rating Agenturen schonen nicht nur die USA, sie schonen auch deren Pudel Grossbritannien und schießen sich lieber auf Euroland ein.
Logische Frage daher:
Wer sind eigentlich die Eigentümer der drei großen Rating-Agenturen?
Sie gehören überwiegend großen amerikanischen Banken und Hedge Fonds. Es tauchen da Namen auf wie Warren Buffetts „BERKSHIRE HATHAWAY, INC“, „Capital World Investors“, „VANGUARD GROUP, INC“, „STATE STREET CORPORATION“, der „Hearst“ Familien Trust, die „Mc Graw-Hill Companies INC“, in der sich wiederum vereinigen „STATE STREET CORPORATION“, „VANGUARD GROUP, INC“, „OPPENHEIMER FUNDS, INC“, „PRICE (T.ROWE) ASSOCIATES INC“, „BlackRock Institutional Trust Company“, „FIDUCIARY MANAGEMENT, INC“, „Capital World Investors“.
Viele dieser Eigentümer sind alte Bekannte. Man findet sie auch wieder, wenn man die Eigentümer einiger US-Banken sucht wie „Citigroup“, „Wells Fargo Bank“, „Bank of America (BOA)“, JP Morgan Chase“ und - natürlich - „Goldman Sachs“ (Quelle Bankster).
Die anglo-amerikanischen Rating-Agenturen sind somit als "Kampfwaffen" identifiziert. Man denkt an den berühmten Dean Martin Film „Denn sie wissen nicht, was sie tun“:
Euroland ist der größte Handelsblock weltweit, verfügt über weltweit das größte Sparvermögen. Die Euro-Zone hat im Vergleich zu den Vereinigten Staaten ein deutlich niedrigeres Fiskaldefizit (vier Prozent des BIPs gegenüber nahezu zehn Prozent des BIPs in den USA) und weist anders als die USA kein Zahlungsbilanzdefizit auf.
Euroland verteidigt sich:
- Mit dem ersten sogenannten „Dreijahrestender“ vom 21. Dezember 2011 legte die EZB ein gigantisches Stützungsprogramm auf. Das zweite folgt am 28. Februar 2012 unmittelbar vor dem Auslaufen von Staatsanleihen von Italien, Spanien und Frankreich über ca. 603 Milliarden Euro. Euroland nimmt dabei hohe Inflation und eine Haftung des Steuerzalers in Kauf.
- Euroland wird gegen Ende 2012 immer mehr dazu übergehen, mit Nachdruck zu versuchen, den Euro als Zahlungsmittel all seiner Außenhandelsgeschäfte durchzusetzen, einschließlich der Bezahlung von Energielieferungen. Die Banken im Euroraum hatten noch vor kurzer Zeit einen Bedarf gehabt von 1.300 Milliarden Dollar. Dieser wurde zwischenzeitlich gesenkt auf 800 Milliarden Dollar und dürfte 2012 wohl nur noch 500 Milliarden Dollar betragen. Die Banken der Wall Street und der Londoner City hatten den Euro-Banken ohne Vorwarnung im Rahmen der Euro-Debatte ab Oktober 2011 den Dollarhahn zugedreht.
Die Entscheidung der Euroländischen Banken, ihre Geschäftstätigkeiten in Dollar zu reduzieren, wird ab Ende 2012 zweierlei bewirken:
- Einen starken Rückgang der Dollarnachfrage weltweit
- und eine Zunahme der Kreditvergabe in Euro.
Da auch zunehmend der Handel zwischen den BRICS in deren Währungen abgewickelt wird und gleichzeitig im asiatischen Raum der Yuan immer stärkere Verbreitung findet, werden 2012 zwei weitere große Währungsräume entstehen. Der Zusammenbruch der Nachfrage nach Dollar für den weltweiten Handel wird dazu führen, dass unvorstellbare Dollarmassen in die USA zurückfliessen werden und zu einer Hyperinflation beitragen.
|