Das Krisenrad dreht immer schneller
Der Welt wird gerade in Erinnerung gerufen, dass die USA und nicht etwa Griechenland und Europa das Epizentrum der umfassenden weltweiten Krise sind. Nach drei Monate langen Verhandlungen über Schritte, wie der riesige Schuldenberg der Vereinigten Staaten abgetragen werden kann, ist die überparteiliche Kommission des US-Kongress - das sog. „Super-Komitee“ - gescheitert. Amerikas Staatsschulden belaufen sich derzeit auf rund 15 Billionen Dollar. Im vergangenen Haushaltsjahr, das am 30. September endete, waren nach Angaben des Finanzministeriums allein 1,3 Billionen Dollar hinzugekommen.
Das vorhersehbare Scheitern des „Superausschusses“, das lediglich ein Symptom für die vollständige Lähmung des politischen Systems der USA ist, wird umgehend schwerste Folgen zeitigen:
- Die Bonitätsnote der USA wird weiter herabgestuft werden.
- Die chinesische Rating- Agentur Dagon hat bereits erklärt, sie werde die Note weiter absenken, sollte der Superausschuss scheitern.
- S&P wird wohl die US-Bonität noch um eine Note herabstufen,
- und auch Moody’s und Fitch können nicht anders; schließlich hatten sie den USA nur einen Aufschub für die Herabstufung eingeräumt unter der Bedingung, bis Ende des Jahres die Defizite zu senken.
Schulden des Privatsektors in den USA (rot) und Griechenland (blau) in Prozent des BIP -
Quelle: SuddenDebt, 03/2011
Wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Verschuldung der Privathaushalte in den USA viel höher ist als beispielsweise in Griechenland. In dieser allgemeinen Lage kann jeden Moment eine Panik an den Finanzmärkten ausbrechen, wenn sich Investoren und Gläubiger darüber im Klaren werden, dass die USA ihre Schulden nur mit Hilfe des massivsten Einsatzes der Geldpresse zurückzahlen können. Jeder zurückgezahlte Dollar einer Forderung wird mit einem Dollar bezahlt, der deutlich weniger wert sein wird als der ursprünglich hingegebene. Das Jahresende 2011 wird daher viele Inhaber von US- Staatsanleihen dazu motivieren, sich ernsthaft mit der Frage auseinanderzusetzen,
wann der Moment eintreten wird, dass die Zweifel an der finanziellen Solidität der USA an den Finanzmärkten übermächtig werden. Solche Entwicklungen sind immer das Ergebnis von psychologischen Phänomenen und brechen damit ausschließlich urplötzlich aus.
Was können die USA noch als Lösung vorschlagen, nachdem der Superausschuss gescheitert ist? Eigentlich so gut wie nichts mehr, schon gar nicht in einem Wahljahr.
Denn zum einen war er ins Leben gerufen worden,
- weil andere Lösungen nicht mehr ersichtlich waren.
- Zum anderen, weil das eigentliche Problem der USA nicht etwa die Höhe ihrer Schulden ist, sondern die Unfähigkeit, die notwendigen Schritte zu unternehmen, sie auf lange Sicht bedeutend und nachhaltig zu reduzieren.
Das Scheitern des Superausschusses wird den Finanzmärkten diese strukturelle und
politische Unfähigkeit der USA, sich den Gürtel enger zu schnallen
und damit ihre Defizite in den Griff zu bekommen,
vor Augen führen.
Der Superausschuss war noch nicht einmal in der Lage,sich auf Einsparungen zu einigen, die 10% der jährlichen Neuverschuldung betragen. Dagegen sind die Leistungen innerhalb der Euro-Zone von geradezu herkulischen Ausmassen. Die USA verschulden sich jeden Tag mehr und schneller. In den folgenden sechs Monaten plant Washington, Staatsanleihen von 846 Milliarden Dollar an den Märkten zu platzieren, also 35% mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Wir stehen vor einer Phase der Krise, in der in den westlichen Staaten das Bankensterben einsetzt. Die Kunden der Finanzinstitute, ob Banken, Versicherungen, Investitionsfonds oder Pensionsfonds, müssen sich zukünftig die Frage stellen, ob das Institut, bei dem sie ihr Geld angelegt haben, auch finanziell solide ist. Es reicht nicht davon auszugehen, dass Institute oder ihre Chefs, nur weil sie ausreichend bekannt sind oder eine hohe Reputation genießen, auch finanziell solider wären als andere. Mit ihrer „Einwilligung“ zum griechischen Schuldenschnitt haben die Banken eingeräumt, dass der Wert ihrer Forderungen gegen die Staaten in ihren Bilanzen überbewertet sind. Wenn schon Staatsanleihen - die a priori und insbesondere in Zeiten von Rezession vertrauenswürdiger sein sollten als Anleihen von Unternehmen oder Schulden von Privatpersonen - nicht mehr mit ihrem Nennwert veranschlagt werden können, wer sollte dann glauben, dass die anderen in der Bilanz ausgewiesenen Vermögenswerte tatsächlich den Wert haben, der ihnen von den Buchhaltern zugesprochen wird?
Man denke nur an Hypotheken...
|